Sondertilgung oder sparen?
Eine Sondertilgung bringt genau Ihren Sollzins ein, sicher und steuerfrei. Geld anzulegen bringt das, was das Konto oder der Markt abwirft, abzüglich der Steuer auf die Erträge. Was sich eher lohnt, hängt an diesen beiden Zahlen, an dem, was Sie für Notfälle greifbar behalten, und an dem in Ihrem Vertrag vereinbarten Sondertilgungsrecht. So vergleichen Sie beides, mit nachgerechneten Zahlen.
Was eine Sondertilgung ist
Eine Sondertilgung ist eine außerplanmäßige Rückzahlung auf Ihr Darlehen, zusätzlich zur vereinbarten Rate. Sie senkt die Restschuld sofort, und auf den getilgten Betrag fallen für den Rest der Laufzeit keine Zinsen mehr an. Die allermeisten Verträge erlauben eine kostenfreie Sondertilgung pro Jahr, häufig bis zu 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme, aber nur, wenn das im Vertrag so vereinbart ist. Ein Sondertilgungsrecht gibt es nicht automatisch; prüfen Sie Ihre Vertragsunterlagen. Wie viel sich dadurch an Laufzeit und Zinsen sparen lässt, zeigt der Sondertilgungsrechner.
Erst diese Dinge, dann die Sondertilgung
Geld, das an die Bank geht, ist später schwer zurückzuholen. Deshalb kommt die Sondertilgung nach den Dingen, die Sie absichern oder mehr einbringen:
- Ein Notgroschen. Eine Sondertilgung senkt nicht die nächste Rate, und bei Jobverlust erwartet die Bank sie weiter in voller Höhe. Halten Sie mehrere Monatsausgaben auf einem jederzeit verfügbaren Konto bereit, bevor Sie sondertilgen.
- Teure Konsumschulden. Dispo, Kreditkarten und Ratenkredite mit einem höheren Zins als Ihr Sollzins sollten zuerst weg. Deren Zins ist fast immer höher als die Rendite jeder Sondertilgung.
Was eine Sondertilgung einbringt
Jeder sondergetilgte Euro wird für den Rest der Laufzeit nicht mehr verzinst. Die Rendite ist damit genau Ihr Sollzins, ohne Risiko und ohne Steuer. Das ist der entscheidende Punkt: Eine Geldanlage muss diese sichere, steuerfreie Rendite erst nach Steuern übertreffen, um sich zu lohnen.
Nehmen wir ein Darlehen über 300.000 € zu 3,5 % Sollzins mit 2 % anfänglicher Tilgung. Die monatliche Rate beträgt 1.375,00 €. Ohne Sondertilgung läuft das Darlehen 29 Jahre und kostet über die gesamte Laufzeit 177.593 € an Zinsen. Zahlen Sie jedes Jahr 5.000 € zusätzlich, ist es 9 Jahre 11 Monate früher abbezahlt, in Jan. 2046 statt Dez. 2055, und Sie sparen 67.505 € an Zinsen. Eine einmalige Sondertilgung von 10.000 € gleich mit der ersten Rate spart 16.691 € und verkürzt die Laufzeit um 1 Jahr 8 Monate.
Mit derselben Engine wie unsere Rechner berechnet, die die Zinsen monatlich auf den Cent rundet.
Was eine Geldanlage schlagen muss
Zinsen und Kursgewinne sind steuerpflichtig, sobald sie über dem Sparer-Pauschbetrag von 1.000 € je Person und Jahr liegen (bei zusammenveranlagten Ehepaaren das Doppelte). Auf Erträge darüber fallen 25 % Abgeltungsteuer an, dazu der Solidaritätszuschlag auf die Steuer und gegebenenfalls Kirchensteuer. Den Freibetrag berücksichtigt die Bank nur mit einem Freistellungsauftrag. So sieht der Vergleich aus:
- Tagesgeld und Festgeld: sicher, aber der Zins ist meist niedriger als ein Bauzins. Solange die Erträge im Freibetrag bleiben, vergleichen Sie den Sparzins direkt mit dem Sollzins. Oberhalb des Freibetrags bleiben Ihnen nach 25 % Steuer nur 75 % des Zinses, sodass das Konto mehr als 4,67 % vor Steuern bringen müsste, um 3,5 % Sollzins zu erreichen.
- Festgeld bindet das Geld zusätzlich für eine feste Laufzeit, in der Sie nicht herankommen.
- Breit streuende ETF: langfristig oft höhere Renditen als ein Bauzins, aber mit Kursrisiko und ohne Garantie. Eine Sondertilgung ist dagegen eine sichere Rendite. Wer ETF gegen die Sondertilgung abwägt, vergleicht eine unsichere mit einer sicheren Anlage; das ist eine Frage der Risikobereitschaft, keine reine Rechenaufgabe.
Die Sondertilgung hat einen weiteren Vorteil: Ihre Rendite steht fest, solange das Darlehen läuft, während Sparzinsen schwanken. Die Geldanlage wiederum hält das Geld greifbar. Das Thema Restschuld am Ende der Zinsbindung behandelt der Ratgeber Restschuld nach der Zinsbindung.
Achten Sie auf Ihr Sondertilgungsrecht
Das kostenfreie Sondertilgungsrecht steht in Ihrem Vertrag, häufig bei bis zu 5 % der ursprünglichen Darlehenssumme pro Jahr. Auf das Beispiel bezogen sind das 15.000 € im Jahr. Die 5.000 € jährliche Sondertilgung liegen mit 5.000 € im ersten Jahr bequem darunter. Was über die vereinbarte Grenze hinausgeht, kann eine Vorfälligkeitsentschädigung auslösen: Sie entschädigt die Bank für entgangene Zinsen und ist keine feste Prozentzahl, sondern wird für den Einzelfall berechnet und hängt vom Vertrag und von der Zinsentwicklung ab. Erfinden Sie hier keine Zahl. Die Verbraucherzentrale weist darauf hin, dass Banken vereinbarte Sondertilgungsrechte in diese Berechnung einbeziehen müssen, was die Entschädigung senken kann, und empfiehlt, die Berechnung prüfen zu lassen. Der Sondertilgungsrechner zeigt, ob Ihre geplante Sondertilgung im vereinbarten Rahmen bleibt.
Nach zehn Jahren: das gesetzliche Kündigungsrecht
Unabhängig vom Sondertilgungsrecht dürfen Sie ein Darlehen mit festem Sollzins nach § 489 BGB zehn Jahre nach der vollständigen Auszahlung mit einer Frist von sechs Monaten ganz oder teilweise kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Dieses Recht lässt sich vertraglich nicht ausschließen. Es ist dann interessant, wenn Ihre Zinsbindung länger als zehn Jahre läuft: Sie können nach Ablauf der zehn Jahre aussteigen oder umschulden, ohne eine Entschädigung zu zahlen. Wer die Immobilie verkauft, kann unter den Voraussetzungen des § 490 BGB schon früher kündigen, schuldet dann aber in der Regel eine Vorfälligkeitsentschädigung.
Laufzeit verkürzen oder Rate senken?
Beim deutschen Annuitätendarlehen bleibt die Rate gleich; eine Sondertilgung verkürzt die Laufzeit, statt die Rate zu senken. Das spart am meisten Zinsen. Manche Verträge erlauben stattdessen eine Anpassung des Tilgungssatzes (Tilgungssatzwechsel), mit dem Sie die Rate ändern können. Welcher Tilgungssatz zu Ihnen passt und wie er Rate und Laufzeit beeinflusst, behandelt der Ratgeber Welcher Tilgungssatz ist sinnvoll?. Mit dem Tilgungsrechner sehen Sie, wie sich Sollzins und Tilgung auf Rate und Laufzeit auswirken.
Ein sinnvoller Mittelweg
Es ist kein Entweder-oder. Ein verbreiteter Ansatz: den Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto halten, jedes Jahr im Rahmen des Sondertilgungsrechts einen festen Betrag sondertilgen und den Rest anlegen, solange die Rendite nach Steuern über dem Sollzins liegt. Prüfen Sie die Entscheidung neu, wann immer sich Ihr Sollzins, Ihr Sparzins oder Ihre Lebenslage ändert, besonders zum Ende der Zinsbindung.
Passende Rechner
- Sondertilgungsrechner: wie viel Laufzeit und Zinsen eine jährliche oder einmalige Sondertilgung spart und ob sie im vereinbarten Rahmen bleibt.
- Tilgungsrechner: Rate und Laufzeit aus Sollzins und anfänglicher Tilgung.
- Welcher Tilgungssatz ist sinnvoll?: wie der Tilgungssatz Rate und Laufzeit bestimmt.
- Restschuld nach der Zinsbindung: was am Ende der Zinsbindung übrig bleibt und wie Sondertilgungen das senken.
Nur zur Information, keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Die genannten Spar- und Anlagerenditen sind Annahmen, keine Vorhersagen oder Angebote, und das Darlehen im Beispiel ist zur Veranschaulichung gewählt. Steuerzahlen gelten für 2026 und können sich ändern. Ihr Vertrag und die Angaben Ihrer Bank sind maßgeblich. Quellen geprüft am 15. Oktober 2026.